| Konzept und Umsetzung der Ausstellung des »Cultural and Museum Centre Karonga« 2003 – 2004 |
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Cultural and Museum Centre Karonga
Im Herzen Afrikas versucht die Uraha Foundation, durch die Implementierung eines Museums, Wissen durch kommunikative Darstellungen dort zu vermitteln, wo es um das tagtägliche Überleben geht. Auf den ersten Blick ein luxuriöses Unterfangen. Doch das Konzept des »Cultural and Museum Centre Karonga« kommt an, weil die Bevölkerung in den gesamten Entstehungsprozess eingebunden wurde, das Museum sich mit seinem vielfältigen Angebot an den Bedürfnissen orientiert und lokal vorhandene Ressourcen genutzt wurden. Unter dem Namen »From Dinosaurs to Democracy« zeigt das »Cultural and Museum Centre Karonga« in Malawi 240 Millionen Jahre Erdgeschichte.
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Ausstellungskonzeption und AusstellungsinhaltDie Ausstellung, so viel war den Auftraggebern klar, sollte neugierig machen. Neugierig auf Themeninhalte, die in den Schulen Malawis nicht gelehrt werden. Deshalb sollte die Ausstellung auch für Kinder leicht verständlich sein. Aus diesem Grund wurde als Präsentations-Form in erster Ebene eine bildliche/ dreidimensionale Form gewählt. Für Lehrer und andere gebildete Besucherinnen und Besucher des Museums bieten Texttafeln in dreisprachiger Übersetzung weiterführende Informationen über die Exponate, die von Fossilien über Körbe, Relikte der Weltkriege und des Sklavenhandels bis zu Utensilien wie Werbematerialien der erst 1994 eingeführten Demokratie Malawis reichen. Einzelne Stationen der Ausstellung laden zu spielerischer Interaktion ein. Hier können Gebrauchsgegenstände oder Instrumente verschiedener alter malawischer Stämme wie Nogonde und Tumbuka live erlebt werden. Diese Vorgehensweise in Ausstellungsdesign und Umsetzung zollt einem malawischen Sprichwort Respekt das frei übersetzt lautet: What you hear you forget, what you see you might remember but what you touch you will never forget! Komplexere Zusammenhänge wie die Darstellung von Zeit und Evolutionsgeschichte wurden anhand bekannter kultureller Gegenstände, regionaler Lebewesen aus Flora und Fauna erklärt. So überbrückt die zeitliche Dimension von 240 Millionen Jahren eine überdimensionale Schlange, die als Bodenmosaik die Besucher durch die Ausstellung führt. Hauptattraktion in der ersten Hälfte des Museums ist die Grabungsinszenierung um das Skelett eines Dinosauriers, der nur 11 Kilometer südlich des Museums ausgegraben wurde. Diese steigt zum Schwanz des Dinosauriers nach hinten hin an und verwandelt sich im Verlauf in die heutige Flora und Fauna des Grabungsgebiets. Hier wird »public understanding of research« im Land begreifbar gemacht und Verständnis geschaffen für die Arbeit von Forschern. Seitlich in die Umrandung der Grabungsinszenierung integriert, werden in zwei Vitrinen die fundamentalen Fragen erklärt: wie wird ein Lebewesen zu einem Fossil (Taphonomie, die Lehre der Einbettung) und wie baute sich die Schichtung der Erdschichten auf (Sedimentologie).
Zum Vergrößern der Bilder, klicken. ProjektmanagementDie gesamte Ausstellung wurde so konzipiert, dass sie komplett vor Ort von einheimischen Arbeitskräften unter Anleitung gefertigt werden konnte. Die vorwiegend jungen Erwachsenen erhielten eine drei Monate dauernde Ausbildung in verschiedenen Handwerksberufen. Bislang arbeiten 15 der ehemals 20 Ausstellungsbauerinnen und -bauer in einem festen Arbeitsverhältnis am Museum. In der Museumswerkstatt, die durch großzügige Materialspenden deutscher Firmen wie Egger, Festool, Röhm und Würth eingerichtet werden konnte, werden heute Auftragsarbeiten von externen Kunden angefertigt und sichern so das Einkommen ehemals arbeitsloser junger Menschen. Diese Einkünfte sollen, auch die Instandhaltungskosten des Museums tragen.
Technische UmsetzungDie Vitrinen wurden in Skelettrahmenbauweise gefertigt und anschließend mit HDF verkleidet. Bei den Vitrinen ist eine manuelle Abnahme des Kapitells möglich, daraufhin können die bruchfesten Plexiglasscheiben entnommen werden, um die Inhalte der Vitrinen zu bearbeiten und die Scheiben beidseitig zu reinigen. Ein besonderes Augenmerk bei der Konzeption der Vitrinen und der gesamten Ausstellung lag auf der Langzeitbelastung in Form von Hitze und Außeneinwirkung durch Staub und extreme Trockenheit sowie Feuchtigkeit während der afrikanischen Regenzeit. Die Scheiben wurden so verspannt und geführt, dass auch bei extremer Hitze und Feuchtigkeit keine Verformung stattfinden kann. Um auch auf lange Zeit eine attraktive, ansprechende Ausstellung zu gewährleisten und den hohen afrikanischen Beanspruchungen gewachsen zu sein, wurden die Vitrinen besonders stabil gebaut. Oval in ihrer Form – mit unterschiedlichen Längen und Rauminhalten jedoch stets der gleichen Stirnseitenlänge sind die Vitrinen und damit die gesamte Ausstellung modular erweiterbar. Für die Inszenierung der Grabungsstelle wurden Steine und Sedimente aus dem nahe gelgenen Grabungsgebiet verwendet. Die komplette Einfassung wurde mit lokalen Mauersteinen (soil stabilized bricks) gefertigt. Diese werden im Kaltpressverfahren vor Ort hergestellt und sind extrem stabil und kostengünstig. In der Grabungsstelle befinden sich prägnante Knochenrekonstruktionen des Sauriers. Diese sind über dünne gefärbte Schnüre mit dem Skelett verbunden und zeigen somit, wie der Saurier gefunden wurde und wie die Knochen zu Lebzeiten zusammen gehörten. Zur näheren Erklärung der Funktion einer Grabungsstelle wurden Grabungswerkzeuge, Kartenmaterial und Vermessungsutensilien in der Fundstelle platziert. Die Unterkonstruktion wurde mit Mauersteinen und Holz realisiert und trägt heute 11 Tonnen Steine und Sedimente aus der ursprünglichen Grabungsstelle. Auf der Rückseite des Dinosauriers wurde an zwei Seiten jeweils ein 3 Meter breites Schaufenster mit Schaukasten in die Unterkonstruktion integriert. Diese erklären die Sedimentologie und die Geschichte des Dinosauriers in einem Modell in sieben Szenen. Die Schlange wird im Außenbereich, in dem ihr Körper dreidimensional ausgearbeitet ist, durch ein Gerüst aus verschweißtem Armierungsstahl in Form gehalten, das mit einer Betonschicht ummantelt ist. Das Mosaik aus Flusssteinen wurde mit Hilfe von lokalem Fliesenkleber aufgebracht und mit einer eingefärbten Zementmischung verfugt, so dass die Schlange im Außenbereich auch als Sitzgelegenheit verwendet werden kann. Im Innenbereich dient sie als Leitpfad für die Besucher und ist dauerhaft begehbar. Um den Glanz der Steine, die allesamt aus einheimischen Flüssen handverlesen sind, zu erhöhen, wurde die komplette Schlange mit Leinöl poliert.
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ProjektwirkungDie Identitätsfindung eines instabilen Landes ist notwendige Voraussetzung, um eine sehr junge Demokratie adäquat mit gebildeten Menschen unterstützen zu können. Das Projekt versucht daher nicht den gewohnten Entwicklungshilfeweg zu gehen, sondern setzt auf der Metaebene an: Bildung und das Wissen um die eigene Herkunft verstehen die Projektteilnehmer als Voraussetzung einer Entwicklung, die nur innerhalb eines Landes geleistet werden kann. Die Schlüsselwörter zu diesem Prozess lauten Identität / Bildung / Planung / Kommunikation. Das Thema der eigenen kulturellen Identität ist wohl ein Faktor der Malawi am meisten in seiner Entwicklung hemmt. Die durch das ehemalige englische Protektorat aufgezwungene und indoktrinierte Abhängigkeit und Hörigkeit gegenüber Geberländern und ihren Gefolgsmännern lässt kaum eigenverantwortliches Handeln zu. Malawi ist reich an Kultur und Geschichte nur sind diese aus den Köpfen der Menschen verdrängt und teilweise durch fremde Sitten und Bräuche ersetzt worden. Natürlich macht das Museum keine hungrigen Bäuche satt, aber ein paar der angesprochenen Probleme können durch einen behutsamen, motivierenden Einblick in die Bildungsinstitution eines Museums gelöst werden! Welch hohen Stellenwert das Museum für die Bevölkerung Karongas einnimmt, zeigt die tatkräftige Unterstützung der Bevölkerung: Denn dieses Projekt zwingt dem Land nichts Neues auf, sondern bewahrt es davor, seine Identität durch die Weitergabe von Wissen in einer oral tradierten Geschichtsauffassung der Afrikaner zu verlieren und Malawi als einen Ort zu etablieren, von dem aus alles angefangen hat: die Geschichte der Menschheit, vor 2,5 Millionen Jahren. Senkenberg Museum (Partnermuseum des CMCK) DanksagungMein besonderer Dank gilt der Projektleiterin Stefanie Müller und Professor Friedemann Schrenk, die mich in allen didaktischen Fragen zur Einrichtung des Museums immer in hervorragender Weise unterstützt haben. Herzlich danken möchte ich auch Oliver Mwenifumbo und Archibald Mwakasungula den Gründervätern des Museums und meinem ganzen Team das mich während des ganzen Aufbaus tatkräftig unterstützt hat. Meinen Eltern möchte ich dafür Danken das sie mich in meinen Plänen bestärkt haben. Last but not least gilt mein Dank unseren Sponsoren ohne die das Projekt nicht hätte realisiert werden können.
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